TGURD #11 – Im FRÖBEL -Kindergarten

Ein Tag im FRÖBEL – Kindergarten „Im Grünen“

Wir treffen uns um 9 Uhr vor der Kita in Johannisthal. Das Gebäude erinnert mich sofort an meine Kindheit in der DDR. Es sind schöne Erinnerungen.

Lars und ich begleiten heute für ein paar Stunden die Gruppe „Beetle“ in ihrem Tagesablauf und wollen die ErzieherInnen unterstützen.
Es ist gerade Morgenkreis, als wir hineinplatzen. Spielerisch und singend stellen sich alle anwesenden Kinder vor und feiern diesen magischen Moment der Gemeinschaft.

Die Kinder, sie sind zwischen 3 und 5 Jahre, sprechen über das Wetter und überlegen welcher Wochentag heute eigentlich ist. In welchem Monat sich dieser befindet und welche Jahreszeit ihm zugeordnet ist. Und wer von Euch hat im Mai Geburtstag? Darüber müssen sie nicht lange nachdenken.
Anschließend gibt es, noch immer im Kreis sitzend, ein Obstfrühstück. Die Beetles greifen beherzt zu. Erst ein Stückchen Obst für jeden, dann viele.
Wir stellen uns auch kurz vor und erzählen, dass wir zum Spielen, Basteln und Vorlesen gekommen sind. Das finden sie anscheinend ziemlich gut, denn sofort hat jeder eine Kindertraube um sich herum. Es fühlt sich toll an, wenn man so herzlich aufgenommen wird.

Erinnerungsfotos, Schnipp-Schnapp und eine Sauna

Heute ist kein normaler Tag für die Kids. Auf dem Programm der Kleinen steht ein Fotoshooting. Ihr wisst schon: Das sind die gestellten Fotos aus Kindheitstagen, die man im Erwachsenenalter entweder hasst oder bei deren Anblick man sofort in den schönsten Erinnerungen schwelgt.
Bevor es aber losgeht, dürfen sich die Kinder frei beschäftigen. Ich werde von ein paar Mädchen ausführlich zu meinen Fähigkeiten befragt und lande anschließend am Mal- und Basteltisch. Ich darf zuallererst ein Boot falten. Zum Glück bekomme ich das auch noch ohne Anleitung hin. Beim Falten des „Schnipp-Schnapp“ Orakels muss ich leider passen. Die Kleinen können es mir aber nachsehen, dass ich das Faltdingens, welches auch unter „Himmel und Hölle“ bekannt ist, nicht kann. Stattdessen darf ich das gefaltete Boot bemalen. Yeah!
Blumenmandalas stehen hoch im Kurs. Ich assistiere beim Ausmalen und halte mich streng an den Farbwünschen der KünsterInnen.
Indess baut Lars mit Legosteinen. Eine Sekunde frage ich mich, warum nicht er von den Mädels an den Maltisch gezerrt wurde.

Zum Fototermin geht es eine Etage höher. Hier – gleich neben der Sauna – hat die Fotografin ein liebevoll gestaltetes Set zum Thema Gärtnern aufgebaut. Nacheinander darf jedes Kind, das möchte, einen passenden Hut auswählen. Dazu ein Stück eines echten oder unechten Obst‘ oder Gemüses, In die andere Hand gehört eine Schaufel. Auf Bestellung zu lachen, fällt nicht jedem Kind leicht und stillstehen erst recht nicht. Mir schwant, dass das dieser Moment sein muss, in welchem sich das Verhältnis zum fertigen Papierfoto entscheidet. Ablehnung oder Liebe.

„…. gleich neben der Sauna“ Wie toll ist das, eine Sauna in der Kita zu haben, die alle nutzen können und es auch tun? Noch jetzt, während des Schreibens, bin ich voller Faszination und freue mich für die kleinen SaunagängerInnen, die das hoffentlich sehr genießen können.

Ein ausgeklügeltes System

Ich staune nicht schlecht, als ich mitbekomme, dass die über 3-jährigen allein zum Mittagsessen gehen dürfen. Gegessen wird eine Etage unter dem Gruppenraum. Damit die Erzieher wissen, welches Kind sich gerade bei der Verpflegung befindet, legen die Kinder selbstständig eine runde Markierung auf das eigene Foto auf einen Tisch. das funktioniert so: In einer Schachtel stehen hintereinander aufgereiht die Fotos der Kinder. Sie sind eingeschweißt, damit sie lange halten. Die Kinder nehmen sich ihr Foto aus der Schachtel und legen es, bevor sie hinunter gehen, zusammen mit der farbigen Scheibe auf den Tisch. Zur Unterstützung ist ein*e ErzieherIn in der Nähe.
Damit die Aufsicht die Übersicht behält, geht nur eine betimmte Anzahl an Kindern essen. Sobald ein Kind zurückkommt, darf das nächste Kind gehen. Hier entscheiden die Kinder selbst, welches an der Reihe ist. Der- oder diejenige mit dem größten Hunger darf zuerst. Es gibt keinen Streit.

Vorlesen und ausruhen

Als die Gruppe nach dem Essen wieder vollzählig ist, liest Lars eine Geschichte vor. Wir sitzen auf dem Boden. Das Mädchen auf meinem linken Bein protestiert, als Lars die Bilder im Text, während des Umschlagens der Seite, vergisst zu zeigen. Zwei Seiten später wiederholt sich dieser Fauxpas. Aber jetzt prostetiert die gesamte Meute. Herrlich, diese kleinen Menschen.

Die Kleineren ziehen sich um, um sich hinzulegen. Die Größeren dürfen selbst entscheiden, ob sie sich etwas ausruhen wollen oder beschäftigen. Wer möchte, darf sogar eigenständig in den 4.500 m2 großen Garten spielen. Mindestens ein*e ErzieherIn ist dann auch vor Ort. Heute sind auch wir im Garten und spielen Fußball oder unterstüzen am Klettergerüst.

Wir nutzen auch gleich die Gelegenheit uns ein wenig umzuschauen. Hier gibt es neben ausreichend Raum zum Toben, Klettern, Buddeln auch Beete, die von den Kindern angelegt wurden. Auf dem Misthaufen nebendran tummeln sich die Waldameisen. Sie sind mächtig am Ackern und schleppen ihre Beute entlang der Straße zu ihrem Wohnhügel. Der Ameisenhügel ist eingezäunt und alle Kinder wissen, dass es ihn zu schützen gilt.

Das Waldspielhaus

Auf unserem Rundgang entdecken wir das Waldspielhaus auf dem Gelände. Meine Vermutung, dass sich hier die letzte Kitagruppe zur Vorschule zurückzieht, erweist sich als falsch. Eine Pädagogin führt uns herum und erläutert uns das Modell.
Hier werden 25 Kinder ab dem 2. Lebensjahr betreut, die überwiegend im angrenzenden Wald „Königsheide“ bei jedem Wetter die Häfte ihres Tages verbringen. Zum Mittagessen und Schlafen finden sie sich im Waldspielhaus ein. Nachmittags spielen sie dann gemeinsam mit den Kindern des Haupthauses. Das Konzept integriert den Wald mit einer Lernwerkstatt, in welchem die Kinder forschend in der Natur lernen.
Ich wünschte mir, dass alle Kinder überall ihren Kitaalltag so erleben dürften.

Was noch?

Nun ist unser Tagespraktikum schon fast rum. Mir hat das Gesamtkonzept der bilingualen Kita (Deutsch-Englisch) mit der eigenen Küche sehr gefallen. Helle schöne Räume in denen die Kids sehr selbstständig agieren dürfen. Der Betreuungsschlüssel in der Beetle Gruppe war an diesem Tag gut. Auf 28 Kinder kamen 5 ErzieherInnen (2 davon Vollzeit). Das sieht leider nicht immer so rosig aus. Wir alle kennen die Personalsituation in unseren Bildungs- und Pflegeeinrichtungen. Auch diese Kita ist nicht mit ausreichend Fachkräften ausgestattet.
ErzieherInnen, PädagogInnen werden nicht nur dringend in der Kleinkindbetreuung gebraucht, sondern kommen auch in den Grundschulen, der Freizeit- und Jugendhilfe und in Behinderteneinrichtungen zum Einsatz. Die Bezahlung ist nicht so rosig, die Verantwortung aber hoch. Die Entgelte wurden zwar im Tarifvertrag des öffentlichen Diensts der Länder (TV-L) angehoben, es dauert leider immer eine Weile bis das Geld bei den Trägern und dann bei den ErzieherInnen ankommt.

Das FRÖBEL-Konzept zum Nachlesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.