TGURD #9 – Kältehilfe

HalleLuja | Kältenotübernachtung III in Berlin

Beeindruckend! Das denke ich, als ich vor der weißen Wärmelufthalle hinterm Ring-Center Frankfurter Allee stehe, die wie ein riesiges Iglu anmutet. Drum herum Beton und Zäune. Ich bin hier heute verabredet – ehrenamtlich durch die Nacht.

Mein Tag war bislang nicht berauschend. Vieles lief schief und eigentlich hatte ich darüber nachgedacht, meine angebotene Hilfe abzusagen. Kneifen wollte ich. Hab ich aber nicht. Zum Glück. Denn mein bis hierher mieserTag sollte doch noch schön enden.

Einweisung

Ich bin um 18 Uhr vor Lars da und gehe schon mal rein. Sabrina und Merlin empfangen mich. Sie sind hauptamtliche Mitarbeiter der Berliner Stadtmission und schon einige Jahre in der HalleLuja tätig. Einer ihrer Kollegen führt mich rum und zeigt mir alles. Ich muss ein Datenblatt ausfüllen und bekomme ein Namensschild. Dann wird mir der Ablauf erklärt.

Noch ist alles ruhig.

20 Uhr. Es geht los!

Die Gäste treten nach und nach in die Halle. Sie müssen sich zuerst registrieren. Drogen, Waffen, Alkohol sind nicht gestattet. Zur Sicherheit wird aber doch jeder abgetastet. 120 Schlafplätze – 24 für Frauen und 96 für Männer – stehen hier zur Verfügung. Haustiere sind herzlich willkommen. Die Kleiderkammer hat geöffnet.

Während der kurzen Teambesprechung werden die Aufgaben der Haupt- und Ehrenamtlichen am heutigen Abend verteilt. Lars und ich sind an der Essensausgabe. Es gibt Suppen (vegetarisch und mit Fleisch), Salate, belegte Brote, etwas Kuchen, Schokolade, kalte und heiße Getränke.

Hier wird gleich gegessen.

5 Schüler*innen aus Baden Württemberg, die hier ein Praktikum absolvieren wollen, haben heute ihren Schnupperabend in der Notunterkunft und backen Waffeln für die Gäste. Das ist für alle etwas besonderes und wird sehr gern angenommen. 20 Liter Teig werden an diesem Abend verarbeitet.

Lecker!

Es ist ruhig an dem Abend. Uns fällt auf, dass im Vergleich zu unserem Einsatz im letzten Jahr in der Kältehilfe am Lehrter Bahnhof, mehr Frauen und sehr viele Osteuropäer zu Gast sind. Aus Polen, ­Litauen oder Rumänien kommend, hoffen sie hier auf ein besseres Leben und bessere Jobchancen. In der Regel werden sie aber enttäuscht und bleiben oft auf der Straße.

Gegen 22 Uhr wird es ruhiger. Die ersten Gäste liegen bereits in ihren Betten. Wer Hygieneartikel benötigt, kann diese gegen ein geringes Entgeld erhalten.

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Meine Sorgen und der Ärger des vormittags sind Geschichte. Zu nichtig.

Die HalleLuja ist jährlich vom 1. November bis 30. April geöffnet. In den warmen Monaten wird überwiegend Psychologische Hilfe und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft geleistet. Keine*r soll auf der Strecke bleiben.

Kältenotübernachtung III – HalleLuja
Am Containerbahnhof hinter dem Ring-Center (Frankfurter Allee)
10365 Berlin
E-Mail: nue3(at)berliner-stadtmission.de

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